
Am 20. Januar 2015 ereignete sich vor der Ostküste der USA ein Vorfall, der Jahre später die weltweite Diskussion über unidentifizierte Flugphänomene (UAP) neu entfachen sollte. Zwei F/A-18 Super Hornet-Kampfjets der US Navy, die vom Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt operierten, waren an diesem Tag auf einer Routinemission. Während des Fluges registrierten die Piloten auf ihren Radarschirmen sowie über das fortschrittliche ATFLIR-Infrarotsystem ein ungewöhnliches Flugobjekt. Dieses Ereignis wurde von der Bordkamera eines der Jets aufgezeichnet und ist heute als das „Gimbal“-Video bekannt. Das Video zeigt ein dunkles, oval geformtes Objekt, das sich vor einem helleren Hintergrund aus Wolken und Himmel abhebt. Es fliegt in einer Höhe von etwa 25.000 Fuß (ca. 7.600 Meter) und scheint keine erkennbaren Tragflächen, Triebwerke oder herkömmliche Steuerflächen zu besitzen. Besonders bemerkenswert ist die Flugdynamik des Objekts, wie sie im Infrarotbild und durch die Reaktionen der Piloten deutlich wird. Das Phänomen bewegt sich stabil gegen einen starken Gegenwind von etwa 120 Knoten, was einer Windgeschwindigkeit von über 220 km/h entspricht. Herkömmliche Drohnen oder leichtere Luftfahrzeuge hätten bei solchen Windverhältnissen erhebliche Schwierigkeiten, ihre Position oder Flugrichtung zu halten. Der Audiokommentar der Piloten im Video verdeutlicht ihre Überraschung und Verwirrung über das Gesehene. Ein Pilot ruft aus, dass es sich gegen den Wind bewege, während ein anderer bemerkt, dass es sich drehe. Kurz vor dem Ende der Aufzeichnung vollführt das Objekt tatsächlich eine signifikante Rotation um seine eigene Achse. Diese Drehung geschieht, ohne dass das Objekt seine Flugbahn ändert oder an Höhe verliert, was aerodynamisch sehr ungewöhnlich ist. Bei bekannten Flugzeugen würde eine solche Drehung normalerweise zu einer Kursänderung oder einem Auftriebsverlust führen, es sei denn, es handelt sich um hochentwickelte, vektorsteuerbare Antriebe. Ein weiteres Detail im Audio-Feed deutet darauf hin, dass die Piloten nicht nur ein einzelnes Objekt sahen. Einer der Piloten erwähnt eine ganze „Flotte“ von Objekten, die auf dem Radar zu sehen sei. Diese Information deutet darauf hin, dass das gefilmte Objekt möglicherweise Teil einer Formation oder Gruppe war, was die Komplexität des Vorfalls erhöht. Das ATFLIR-Infrarotsystem zeigt das Objekt als dunkle Form, was bedeutet, dass es kälter ist als die Umgebung, oder zumindest keine nennenswerte Hitze signatur abgibt. Das Fehlen einer sichtbaren Hitze signatur, wie sie typischerweise von Abgasstrahlen herkömmlicher Triebwerke erzeugt wird, ist ein wesentliches Rätsel. Skeptiker und Analysten haben verschiedene Erklärungen für das Gimbal-Video vorgeschlagen. Eine populäre Theorie besagt, dass es sich um ein entferntes Flugzeug handelt, dessen Hitze signatur durch die Infrarotkamera verzerrt und als ovales Objekt dargestellt wurde. Die Rotation des Objekts wird von einigen Kritikern auf eine Drehung des Kamerasensors selbst zurückgeführt, wenn dieser das Ziel verfolgt (den sogenannten „Gimbal-Lock“-Effekt). Die Piloten, die an dem Vorfall beteiligt waren, widersprechen jedoch diesen skeptischen Erklärungen. Sie betonen, dass sie die Objekte nicht nur auf dem Infrarotschirm, sondern auch über das Radar und teilweise visuell bestätigen konnten. Laut ihren Aussagen waren diese Phänomene keine seltenen Einzelereignisse, sondern traten über einen längeren Zeitraum fast täglich im Übungsluftraum auf. Der Vorfall und das Video blieben zunächst klassifiziert, bis sie im Jahr 2017 illegal an die Öffentlichkeit gelangten. Die New York Times veröffentlichte das Video zusammen mit Berichten über ein geheimes UFO-Forschungsprogramm des Pentagons, was eine massive Medienwelle auslöste. Im April 2020 bestätigte das US-Verteidigungsministerium offiziell die Echtheit des Gimbal-Videos sowie zweier weiterer Clips (bekannt als „Tic-Tac“ und „GoFast“). Das Pentagon erklärte, dass die Videos unidentifizierte Phänomene zeigten und dass die Veröffentlichung keine geheimen Fähigkeiten der USA preisgebe. Seit der offiziellen Bestätigung hat sich die Haltung der US-Regierung zu UAPs grundlegend gewandelt. Es wurden neue Berichtsmechanismen für Militärpiloten eingeführt, und es gab öffentliche Anhörungen im Kongress zu diesem Thema. Die Gimbal-Sichtung gilt heute als einer der besterforschten und glaubwürdigsten Fälle von unidentifizierten Flugphänomenen. Sie dient als Paradebeispiel für die technologischen Herausforderungen, denen sich das Militär bei der Identifizierung solcher Objekte gegenübersieht. Die Debatte darüber, ob es sich um geheime menschliche Technologie, Naturphänomene oder etwas anderes handelt, hält bis heute an. Die im Audio erwähnte „Flotte“ wurde bisher nicht in weiteren veröffentlichten Videos bestätigt. Unabhängig von der endgültigen Erklärung hat die Gimbal-Sichtung dazu beigetragen, das Thema UAP aus dem Bereich der Science-Fiction in den Fokus der nationalen Sicherheit und Wissenschaft zu rücken. Die Analyse des Videos und der zugehörigen Sensordaten wird weiterhin von Experten auf der ganzen Welt durchgeführt.
Das Video der „Gimbal“-Sichtung
Quelle: U.S. Department of Defense / Naval Air Systems Command
1. Das Rätsel des Thermalkontrastes
Die Aufnahme nutzt den „Black-Hot“-Modus der Infrarotkamera. Das bedeutet: Hitze erscheint weiß, Kälte erscheint schwarz. Da das Objekt tiefschwarz dargestellt wird, ist es kälter als seine Umgebung. Dies widerspricht jedem herkömmlichen Flugzeugantrieb, der durch die Verbrennung von Treibstoff eine massive, helle Hitzesignatur erzeugen müsste.
2. Unmögliche Flugdynamik
Trotz einer Eigengeschwindigkeit des Kampfjets von mehreren hundert Knoten und einem massiven Gegenwind von über 220 km/h hält das Objekt mühelos seine Position. Der physikalische Höhepunkt ist die namensgebende Rotation: Das Objekt dreht sich plötzlich um die eigene Achse, ohne dabei an Höhe zu verlieren oder seine Flugbahn durch sichtbare Steuerflächen zu korrigieren.
3. Die offizielle Bestätigung
Obwohl das Videomaterial bereits 2017 durch einen Leak weltweit bekannt wurde, hielt sich die US-Regierung lange bedeckt. Erst im April 2020 bestätigte das Pentagon offiziell die Echtheit der Aufnahme. Damit gab eine Weltmacht erstmals offiziell zu, dass sich Objekte in ihrem Luftraum bewegen, deren Technologie und Herkunft sie nicht erklären kann.
Funkprotokoll: Die Piloten-Reaktion
Um die Dramatik des Moments zu verstehen, hilft ein Blick auf die begleitende Audioaufnahme der Cockpit-Besatzung:
Pilot 1: „Schau dir das Ding an, Kumpel!“
Pilot 2: „Da ist eine ganze Flotte von denen, schau auf das Radar-Display!“
Pilot 1: „Mein Gott!“
Pilot 2: „Sie fliegen alle gegen den Wind. Wir haben 120 Knoten Gegenwind aus West!“
Pilot 1: „Schau dir das Ding an!“
Pilot 2: „Es rotiert!“ (In diesem Moment vollzieht das Objekt seine Drehung)
Die „Gimbal“-Sichtung ist einer der drei offiziell vom Pentagon bestätigten Videoclips (zusammen mit „GoFast“ und „Tic-Tac“), die die moderne UAP-Debatte im Jahr 2017 entfacht haben.
Obwohl das Video nur etwa 34 Sekunden lang ist, bietet es genug Zündstoff für Physiker, Piloten und Skeptiker gleichermaßen.
Der Vorfall im Überblick
- Datum: 20. Januar 2015
- Ort: Vor der US-Ostküste (nahe Florida/Georgia)
- Flugzeug: F/A-18 Super Hornet vom Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt
- Sensor: Raytheon AN/ASQ-228 ATFLIR (Advanced Targeting Forward-Looking Infrared)
Warum das Video so ungewöhnlich ist
Was man im Video sieht, ist kein gewöhnlicher Jet. Hier sind die Details, die Experten Kopfzerbrechen bereiten:
- Die „Flotte“: Der Audiokommentar der Piloten ist entscheidend. Einer sagt: „Look at that thing, dude!“, worauf der andere antwortet: „There’s a whole fleet of them, look on the ASA!“ (ASA bezieht sich auf das Radar-Display). Das Video zeigt nur ein Objekt, aber das Radar der Piloten erfasste mehrere Begleitobjekte, die in einer Keilformation flogen.
- Die Rotation: Gegen Ende des Clips sieht man, wie das Objekt (das wie eine dunkle Kugel mit einem Rand aussieht, ähnlich einem „Top-Hat“) eine plötzliche Drehung um seine eigene Achse vollzieht. Das ist aerodynamisch höchst seltsam: Ein normales Flugzeug müsste für eine solche Richtungsänderung die Nase neigen oder den Kurs ändern, um den Auftrieb beizubehalten.
- Fehlender Antrieb: Das Infrarotbild zeigt keine Hitze-Signatur eines Triebwerks (kein Abgasstrahl/Plume), die bei einem Jet in dieser Höhe und Geschwindigkeit massiv sichtbar sein müsste. Das Objekt scheint von einer Art „Kühlhülle“ oder einem Feld umgeben zu sein.
- Gegenwind: Laut der Anzeige im Cockpit herrschte in dieser Höhe (ca. 7.600 Meter) ein Wind von 120 Knoten (ca. 222 km/h). Das Objekt flog stabil gegen diesen massiven Wind und drehte sich dann, ohne an Höhe oder Geschwindigkeit zu verlieren.
Die Skepsis: „Nur ein technischer Effekt?“
Skeptiker, allen voran der bekannte Analyst Mick West, haben eine bodenständigere Erklärung:
- Gimbal-Rotation: Er argumentiert, dass die Drehung des Objekts eine optische Täuschung ist, die durch das mechanische Drehgelenk (das „Gimbal“) der Kamera entsteht, wenn sie das Ziel verfolgt.
- Hitzequelle: Er vermutet, dass es sich um die heißen Triebwerke eines weit entfernten, gewöhnlichen Jets handelt, die durch die Infrarot-Überstrahlung (Glare) wie eine ovale Scheibe wirken.
Die Gegendarstellung der Piloten
Die beteiligten Piloten (wie Lt. Ryan Graves) widersprechen der Skeptiker-Theorie vehement. Sie betonen, dass sie die Objekte nicht nur auf dem Infrarotschirm, sondern auch auf dem Radar und teilweise mit bloßem Auge sahen. Laut Graves hielten sich diese Objekte über Stunden im Übungsluftraum auf, was die Kapazität jedes bekannten Drohnen- oder Jet-Akkus bei weitem übersteigen würde.
Witziges Detail am Rande: Der Name „Gimbal“ wurde dem Video intern gegeben, weil die Kamera genau an dem Punkt, an dem das Objekt rotiert, an ihre mechanische Grenze (den „Gimbal Lock“) stieß.